Tubuai in den Australs

Im Jänner 2025 segelten wir in drei Tagen (330 NM) von Tahiti – Taravao nach Tubuai, der Hauptinsel im Austral Archipel. 23° 22.2190′ S und 149° 28.9539′ W

Der Norden von Tubuai

Es wurde mal wieder Zeit eine neue Insel zu entdecken. Wir suchten uns eine Wetterperiode aus, die es uns ermöglicht, möglichst lange vor Ort zu bleiben und nahmen dafür in Kauf, dass uns am letzten Tag der Wind einschläft. Die ECMWF Windprognose stimmte diesmal sogar relativ genau, was hier im Südpazifik leider nicht immer der Fall ist. Der Wind blieb die kommenden 13 Tage auf Tubuai fast immer unter 10 Knoten. Dies ermöglichte uns viele Ausflüge ohne Angst um Sagitta haben zu müssen.

Tubuai, das X kennzeichnet unseren Ankerplatz

Der Pass war „easy going“, wir fuhren nicht Backbord Richtung Frachtschiff Anleger, sondern hielten uns Steuerbord, Richtung Flughafen. Diese Route, 2,8 Seemeilen, verlangte unsere ganze Aufmerksamkeit, da wir stellenweise nur mehr 70 cm Wasser unter dem Kiel hatten. Wir mußten Slalom zwischen den Korallenköpfen (Bommies) fahren, die Sonne stand aber über uns und ermöglichte diese Passage bei guter Sicht auf die Korallen. Die MBTiles (Satellitenbilder), die wir offline am Plotter hatten, waren eine Hilfe, aber sich nur darauf verlassen zu wollen, wäre nicht die beste Idee. So stand Lambrini die ganze Zeit am Bug, und manövrierte uns durch den Korallendschungel. Nachdem Flughafen fiel unser Anker auf 5 Meter Wassertiefe. 23° 22.6056′ S und 149° 31.7813′ W

Wir sind das einzige Schiff hier und haben einen tollen Blick auf den schlafenden Moai. Den Berg, den wir die nächsten Tage dann näher erkunden werden. Kaum hatten wir festgemacht, kamen Kinder mit ihren Kayaks an um ihrerseits unser Schiff zu entdecken. Wir schenkten den Nachwuchsfischern ein paar Fischereiutensilien und borgten für den Tag Masken, Schnorchel und Flossen her. Nicht alles wurde zurückgebracht, aber dafür wurden wir andernorts beschenkt. Laut Gendarmerie laufen drei bis vier Yachten jährlich die Insel an. So gesehen sind wir für sie auch eine kleine Attraktion.

Kinderbesuch

Da unser Ankerplatz etwa zehn Kilometer vom Hauptort entfernt war, haben wir uns auf die Hilfsbereitschaft der Locals verlassen, die uns per Anhalter mit nach Mataura nehmen würden. Eine ganze Weile in der glühenden Htze hoffend und in Richtung Ort gehend mangelte es einfach an Autos bis die herzliche Pamela uns einsammelte und zur Gendarmerie fuhr, obwohl es nicht auf ihrem Weg lag.

Bei der Behörde wollten wir lediglich unsere Anwesenheit melden, einklariert sind wir ja schon lange. Die gute Sitte verlangt es, hatten wir mehrfach gelesen. Die Beamten, die häufiger wechseln, kannten diese Sitte nicht und wollten uns international einklarieren bis wir die Situation als höflichen Besuch aufklärten. Zum Dank erhielten wir Infos zum Auto bzw. Räder leihen und machten uns weiter auf ans Dock, wo an dem Morgen das Fracht- und Kreuzfahrtschiff „Tuhaa Pae“ angelegt hatte und geschäftig Ware verladen wurde. Nach einem kleinen Überblick in Mataura hielten wir unsere Daumen raus und wurden von einer freundlichen Touristin wieder zum Dinghy zurück mitgenommen, das an einem der vielen feinen Sandstrände lag.

In den Tagen auf Tubuai haben wir verschiedene Wanderungen unternommen, durch vielfältige Flora mit wunderschönen Aussichten auf die Lagune, teils mit, teils ohne Sagitta im Blickwinkel. Vieles haben wir vom Strand aus unternommen, wo unser Dinghy mit Heckanker und Landleine zurückgelassen wurde. Allerdings haben wir auch einen Tag ein Auto geliehen und an zwei Tagen ein Fahrad. Dadurch haben wir entferntere Ziele erreicht, ebenso wurde unser Einkauf mit Frischware erleichtert. Das Auto hat ca. 60€ und das sehr einfache aber gut funktionierende Fahrrad nur 4,50€ am Tag gekostet.

Leihräder von der Pension Toamanahere, beim Flughafen

Unterwegs am Wegesrand hatten wir Kontakt mit auffallend vielen angebundenen Pferden, denen wir mal einen Eimer Wasser oder eine Banane spendierten.

Die Insel Tubuai ist aufallend sauber, es gibt neben einem guten Mülltrennsystem scheinbar auch Bürger, die ihre Insel lieben und nichts in die Natur entsorgen. Es hat einige touristische Unterkünfte in Form von kleinen Pensionen, die Haupteinnahmequelle der Bewohner ist jedoch das Kunsthandwerk und die Landwirtschaft. Wenn man die Wassermelonenqualität im Mittelmeerraum kennt, ist es schwer in Polynesien Vergleichbares zu finden bis man nach Tubuai kommt. Hier hat es richtig gute Wassermelonen, klein und handlich, um die drei Kilogramm, einfach nur köstlich! Obststände und kleine Supermärkte bieten frische und lokale Ware zu „christlichen“ Preisen an.

Unser letzter Einkauf hat sich dann unter außergewöhnlichen Umständen einfach erübrigt. Erwin hat einen alten Gepäcktrolley in einer lokalen Internetgruppe zu verschenken angeboten, woraufhin ein Inselbewohner Interesse zeigte und sich vergewisserte, ob er wirklich nichts zahlen bräuchte für das gute Stück. Ein Treffen am Strand wurde vereinbart, der Koffer übergeben und Erwin kam sichtlich überrascht mit einer Großfamilien-Monatsration Obst und Gemüse aus Stanleys Eigenanbau wieder zu Sagitta zurück. Anschließend waren wir gut beschäftigt Chilis und Kräuter einzulegen, Reifes von Grünem zu Trennen und zu verstauen, sowie Kochpläne zu überlegen um nichts verderben zu lassen.

Alles geschenkt

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